In der Sendung «Euroblick» vom 7.3.2010 wurde ein Magazinbeitrag zum Thema Deutsche in der Schweiz ausgestrahlt, bei dem unser Autor Bruno Reihl durch die Sendung führte. Nachfolgend einige Textauszüge aus dem Filmbeitrag:
Der Deutsche Bruno Reihl lebt schon seit 1978 in der Schweiz. Er spürt, dass sich die Stimmung gegenüber seinen Landsleuten in letzter Zeit verschlechtert hat.
Bruno Reihl: „Meine Familie und ich sind integriert, wir sprechen Schweizerdeutsch. Wir haben bisher keine Anzeichen dafür selbst erlebt. Aber andere Leute die hier neu leben, die sind schon angesprochen worden, dass hier zu viele Deutsche sind und sie sollen doch nach Hause gehen.“
Im Grunde ist der Schweizer ein höflicher zurückhaltender Mensch. Doch die massive Invasion der Deutschen sorgt für Überfremdungsängste. Subtile und neuerdings auch offene Aggressionen gegen die Einwanderer nehmen zu. Wer in der Straßenbahn laut deutsch spricht, erntet schnell genervte Blicke.
Immer mehr Deutsche bekommen zur Zeit anonyme Briefe, in denen sie aufgefordert werden, das Land zu verlassen. Jetzt hat auch Bruno Reihl einen bekommen.
Bruno Reihl: „Dieser anonyme Brief lag in meinem Briefkasten vor einigen Tagen. Darin drückt der Schreiber, vermutlich ein Schweizer, sein Unbehagen aus und bittet mich, anderen Deutschen zu sagen, dass sie nach Hause gehen sollen. Weil mit 175.000 Arbeitslosen genügend Schweizer eine Arbeit finden sollten und auch zu viele Wohnungen von Deutschen benutzt werden.“
Die Deutschen – zu laut, zu schnell, zu frech für Schweizer Gewohnheiten. Und dann auch noch dieses elende Hochdeutsch – darin fühlen sich die Eidgenossen sowieso unterlegen. Doch egal ob IT-Branche, Call-Center oder beim Arzt – die Eidgenossen müssen immer öfter vom Dialekt ins verhasste Schriftdeutsch wechseln. In einigen Krankenhäusern stammt bereits weit über die Hälfte des Personals aus Deutschland.
Derweil bemühen sich viele Eingewanderte ernsthaft, die Gepflogenheiten der Eidgenossen zu verstehen. Bruno Reihl hilft ihnen dabei. Er gibt Integrationsseminare für Deutsche und hat ein Buch über Mentalitätsunterschiede geschrieben. Es gibt viele Fettnäpfchen, in die man als Deutscher treten kann. Zum Beispiel: In ein Geschäft zu gehen und nur zu sagen was man kaufen möchte, ohne den Verkäufer zuvor eingehend zu begrüßen.
Bruno Reihl:„Viele Deutsche, die hierherkommen sind beratungsresistent. Die wissen alles besser, die haben das Gefühl, das was in Deutschland ihre Welt war, muss auch hier ihre Welt sein und treten dann auf den Gefühlen der Schweizer herum ohne es zu merken. Auch ohne eine Absicht damit zu verbinden. Der Umgang in Deutschland ist halt rauer und direkter und die Deutschen machen es eben so.“ (…)
{Quelle: BR, Angelika Vogel, vollständiger Text unter: http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/euroblick/euroblick-2010-03-07-schweiz-deutschland-ID1267890457460.xml)
